Medikamente

als Ursache von

Neuropathien


Der Beginn Arzneimittel-bedingter Neuropathien ist oft langsam und subtil, gelegentlich aber rasch und heftig. Neuropatien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch.  Der Mechanismus der Schädigung ist fast immer unbekannt.

 

Onkologische Medikamente

Thalidomid (früher: Contergan®) und Lenalidomid (Revlimid®) werden vor allem beim multiplen Myelom verschrieben.

Die Neuropathien betreffen dabei vor allem sensorische Nerven und verursachen Sensibilitätsstörungen und Schmerzen in den Füssen, Beinen und Händen. Die Häufigkeitsangaben variieren, es werden bis zu 70% angegeben (unter Thalidomid).

Die Störungen sind auch nach dem Absetzen meist nicht reversibel.

Auch Hörverluste sind häufiger unter Thalidomid als unter Placebo.

Unter dem Analogon Lenalidomid werden deutlich weniger Neuropathien beschrieben.

Bortezomib (Volcade®) wird in verschiedenen Kombinationstherapien bei multiplem Myelom angewendet. Es verursacht in bis 40% sensorische Neuropathien, abhängig von der akkumulierten Dosis. Diese Neuropathien sind langsam reversibel nach dem Absetzen und treten vor allem bei Personen auf mit vorbestehender Neuropathie.

Cisplatin, Oxaliplatin (Eloxatin® und Generika), Carboplatin (Praplatine® und Generika): Cisplatin verursacht dosisabhängig reversible sensible Neuropathien. Die Rückbildung dauert gelegentlich über ein Jahr. Diese Nebenwirkung ist seltener bei Carboplatin. Oxaliplatin hingegen erzeugt bei etwa 90% der Behandelten eine von der kumulativen Dosis abhängige Neuropathie. In den Stunden nach der Infusion treten in den Extremitäten Sensibilitätsstörungen auf. Es sind auch laryngopharyngeale Symptome beschrieben, wie Schluckstörungen und Atemschwierigkeiten.

 

Taxane:

Auch hier sind dosisabhängige Neuropathien, meist sensorische, beschrieben. Beim Pacitaxel (Taxol® u.a.) sind sie bei wöchentlicher Verabreichung während 3 Stunden ausgeprägter, als wenn während 24 Stunden infundiert wird.

In einer Studie mit Eribulin (Halaven®) wurde ein Persistieren der Störung noch nach 9 Monaten gefunden.

 

Vinca-Alkaloide:

Unter Vincristin (Oncovin® u.a.) und etwas weniger unter Vinblastin (Velbe®) wurden ganz verschiedene neurologische Symptome beschrieben, teilweise bis zur Taubheit und schweren Darmpassagestörungen.

Andere Chemotherapeutika: Bei vielen anderen Substanzen mit onkologischen Indikationen wurden ebenfalls neurotoxische Fogen beobachtet, meist reversibel nach Therapie-Abbruch.

Antibiotika und andere anti-infektiöse Substanzen

 

Die Liste der zum Teil neurotoxischen Substanzen in der Gruppe der anti-infektiösen Medikamente ist lang:

Isoniazid (Rimifon® u.a.) sollte stets mit Vitamin B6 gegeben werden, um die häufig vorkommenden Neuropathien zu vermeiden. Unter den antituberkulösen Arzneien wurden auch für Ethionamid und Ethambutol (Myambutol®) Neuropathien beschrieben.

Nitrofurantoin (Furadantin® u.a.) kann Ursache schwerer und zum Teil irreversibler Nervenschädigungen sein.

Weitere Substanzen, bei denen Neuropathien beschrieben worden sind:

Metronidazol (Flagyl® u.a.), Mefloquin (Lariam® u.a.) , Itraconazol (Sporanox® u.a.), Griseofulvin, Flucytosin (Acontil®), Amphotericin B (Fungizon® u.a.), Dapson, Linezolid, Aminoglykoside, Chinolone.

 

Antiretrovirale Medikamente:

Didanosid (Videx®) soll in bis 9% zu Neuropathien führen, insbesondere in Kombination mit Tenofovir (Viread® und in Kombinationspräparaten). Auch Stavudin Zerit®) und Etravirin (Intelence®) werden als Neuropathie-Ursache vermutet. Unter den Proteasehemmern Saquinavir (Invirase®) und Ritonavir(Norvir® und im Kaletra®)treten häufig sensible Störungen auf, die aber trotz Weiterführen der Therapie reversibel sein sollen.

Kardiovaskuläre Medikamente

Kardiovaskulär wirksame Medikamente verursachen selten neurologische Symptome, am meisten noch Flecainid (Tambocor®), Amiodaron (Cordarone® u.a.) und Disopyramid.

 

Antirheumatika

Leflunomid (Arava® u.a.): Die Angaben zur Häufigkeit von Neuropathien bei diesem Medikament sind sehr unterschiedlich. Die neurotoxischen Auswikrungen sollen ausgeprägt und häufig und, besonders nach längerer Verabreichung,

höchst langsam reversibel sein.

Penicillamin, Goldsalze, Hydroxychloroquin, Colchicin und Mesalazin (Asacol® und Generika) werden selten impliziert.

 

 

https://www.infomed.ch/pk_template.php?pkid=917#4


MEDIKAMENTE, DIE EINE POLYNEUROPATHIE VERURSACHEN KÖNNEN

 

sensible PNP

Bortezomib

Chloramphinicol

Cisplatin

Cytarabin

Docetaxal

Enalapril

Ethambutol

Metronidazol

Nitrofurantoin

Nukleoidanaloga (NRTI)

Oxaliplatin

Paclitaxel

Procarbacin

Thalidomid

Vidarabin

Vinblastin

Vitamin B6 (hochdosiert)

 

Reine Parästhesien

Cytarabin

Methysergid

Propylthiouracil

Streptomycin

Sultiam

 

Sensomotorische PNP

Allopurinol

Amiodaron

Chlorambucil

Chloroquin

Colchicin

Ergotamin

Fibrate

Gentamycin

Gold

Indometacin

INH

Metronidazol

Phenytoin

Procainamid

Streptomycin

 

Motorische PNP

Amphotericin B

Dapson

Imipramin

Lithium

Oxaliplatin (akut)

Sulfonamide

 Schwerpunkt PNP

Amitriptylin

Penicillin

 

https://neurologie-neuer-wall.de/medikamente-die-eine-polyneuropathie-verursachen-koennen/?fbclid=IwAR3IsdWk1oMQGihsv1mT8Pn_KnB2m0oZj7Zs7tmz4yR7YqVgXivsC1TPyek

Varia

Die Liste der Medikamente, die „oft“ bis „gelegentlich“ neurotoxisch sind ist lang und wahrscheinlich unvollständig. Im hier zusammengefassten Artikel werden noch weitere erwähnt: siehe Tabelle.