Neuropathie

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Ähnlich wie bei einem Kabel, dessen Isolierung defekt ist, ist bei der Polyneuropathie die Ummantelung der Nervenfortsätze zerstört. Das hat zur Folge, dass letztlich weder Signale zum Hirn gemeldet werden noch Befehle zu den Muskeln gelangen. Sind motorische Nerven betroffen, welche die Muskeln versorgen, kann es zu Muskelschwäche, Muskelschwund oder Muskelkrämpfen kommen.

Ist das vegetative Nervensystem geschädigt, betrifft es Nerven, die zu Organen, Gefäßen und Drüsen führen.



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Verdacht auf Polyneuropathie
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Neuropathie Übersicht

Neuropathie, auch bekannt als periphere Neuropathie und Polyneuropathie, bedeutet Schäden an den Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks durch den Körper verlaufen.   Neuropathie ist sehr häufig und es wird geschätzt, dass mindestens 8% der Weltbevölkerung dies haben.   Die häufigsten Ursachen sind Diabetes in entwickelten Ländern, Lepra in tropischen Ländern und HIV / AIDS. In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 40 Millionen Menschen mit Neuropathie und ihre Gesundheit kostet jährlich über 4 Milliarden Dollar. Mindestens 10% der über 40-Jährigen bekommen eine Neuropathie, 50% der Diabetiker und 20% der Patienten erhalten eine Chemotherapie.   Die Anzahl der Menschen mit Neuropathie steigt mit der Alterung der Bevölkerung, Diabetes wird häufiger und Menschen mit HIV / AIDS leben länger.   Die häufigste Form der Polyneuropathie ist die Schädigung der dünnsten "kleinen Fasern". Das Bewusstsein für Neuropathie wächst, was bedeutet, dass mehr Patienten diagnostiziert und behandelt werden.

 

Die Anatomie der Neuropathie

Das Gehirn und das Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem (ZNS). Sie befinden sich im Kopf bzw. in der Wirbelsäule. Das Gehirn ist die Kommandozentrale, die Nachrichten empfängt und generiert, die vom peripheren Nervensystem (PNS) übertragen werden, wobei die Nerven durch den Rest des Körpers verlaufen. Die Nerven sind wie die elektrischen Kabel, die Computer und Telefone verbinden, so dass sie über große Entfernungen miteinander kommunizieren können.

Jede Nervenzelle (Neuron) hat verschiedene Teile .  Der   Zellkörper (Soma) enthält den Zellkern und die Maschinerie zum Herstellen und Transportieren von Molekülen und Organellen zu den entfernten Teilen der Neuronen, beispielsweise zu den Händen und Füßen.    Die Zellkörper der peripheren Nervenzellen befinden sich in oder direkt außerhalb des zentralen Nervensystems (PNS). Die langen dünnen Teile des Neurons, die die Zellkörper mit den Körperteilen verbinden, werden Axone genannt . Axone sind wie Drähte, die Nachrichten über eine Entfernung übertragen. Sie sind auch wie Tunnel, da Moleküle und Organellen durch Axone transportiert werden, um zu weit entfernten Körperzielen zu gelangen.

 

Kleine Faser gegen große Faser Neuropathien  (Large - Small)

Nervenfasern werden basierend auf ihrer Dicke in kleine Fasern und große Fasern eingeteilt, je nachdem wie dick sie sind. Große Faser-Nervenzellen haben Durchmesser von mehr als etwa 5 Mikrometer und kleine Fasern sind dünner. Die großen Fasern sind größer, weil die Axone in fettigen Hüllen, die "Myelin" genannt werden, eingehüllt sind.    Dies hilft ihnen, Signale schneller zu senden als kleine Fasern. Große Fasern tragen Botschaften an die Muskeln, um unsere Bewegungen zu kontrollieren. Sie erhalten und tragen auch einige Empfindungen für das Rückenmark und das Gehirn, einschließlich Berührung, Vibration und Gleichgewicht Die kleinen Fasern senden Nachrichten über Krankheit und Verletzung, einschließlich Schmerz und Juckreiz und heiß und kalt. "Autonome" kleine Fasern tragen auch Botschaften, die unsere inneren Organe kontrollieren.

Motorische, sensorische und autonome Neuropathien

Verschiedene Zellen im peripheren Nervensystem (PNS) haben unterschiedliche Aufgaben. Motorische Fasern verbinden sich mit den Skelett- und inneren Muskeln, um ihnen zu signalisieren, dass sie sich zusammenziehen. Sinnesfasern sind dafür verantwortlich, Informationen aus anderen Teilen des Körpers zum Gehirn zu bringen. Autonome Fasern versorgen Blutgefäße und Schweißdrüsen, die Magen-Darm-Organe, die Harnblase und Sexualorgane. Signale von kleinfaserigen Neuronen halten auch die Gesundheit und Funktion unserer Körperzellen und -gewebe aufrecht. Ein chemischer Mediator, der von kleinen Fasern (Semaphorin 3a) abgesondert wird, hält beispielsweise unsere Knochen fest.

 

Verschiedene Symptome der peripheren Neuropathie

Periphere Neuropathien verursachen je nach Art der Nervenfaser unterschiedliche Symptome. Im Allgemeinen beginnen die Symptome der Polyneuropathie zuerst oder sind schlimmer in den Händen und Füßen, da die langen Fasern, die erforderlich sind, um sich mit diesen weit entfernten Gebieten zu verbinden, am wahrscheinlichsten zusammenbrechen.

Motorneuropathiesymptome kommen von der Tatsache, dass unsere Muskeln nicht gut arbeiten, wenn die motorischen Fasern nicht die richtigen Signale senden, die sie benötigen, um zu funktionieren. Patienten können Müdigkeit oder Schwierigkeiten mit Bewegung (Schwäche), Muskelverkleinerung und Muskelkrämpfen bemerken.

 

Sinnesneuropathiesymptome 

werden üblicherweise in "negative" und "positive" Symptome unterteilt. Negative Symptome reflektieren weniger Fähigkeit, die Welt aufgrund von Schäden an sensorischen Neuronen zu fühlen. Beispiele hierfür können ein reduziertes Gehör (Schallempfindungsschwerhörigkeit), ein vermindertes Gleichgewicht (sensorische Ataxie) oder schmerzlose Verletzungen sein. Positive Symptome bedeuten, dass die sensorischen Neuronen abfeuern und falsche Botschaften der Empfindung senden, wenn es keinen Grund dafür gibt. Beispiele hierfür sind neuropathischer Schmerz und Juckreiz, bei dem sich eine Person beim Schneiden oder Brennen fühlen kann, obwohl sie nichts berührt.

 

Die autonomen (vegetativen) Nerven steuern die Funktion von inneren Organen wie Herz, Lunge, Magen, Darm, Geschlechtsorgane und Blase. Sie sind nicht dem Willen unterworfen. Man kann also zum Beispiel dem Herzmuskel nicht bewusst befehlen, sich zu kontrahieren.

Sind autonome Nerven geschädigt, kann es zu ernsten oder sogar lebensbedrohlichen Symptomen kommen. Wenn bei einer Polyneuropathie zum Beispiel Darmnerven geschädigt sind, können Durchfall oder Verstopfung auftreten. Sind Nerven in Mitleidenschaft gezogen, welche die Blasenfunktion regulieren, ist das Wasserlassen, also die Blasenentleerung gestört. Eine Nervenschädigung in der Lunge kann Atemstillstand auslösen. Betrifft die autonome Polyneuropathie Nerven am Herzmuskel, können gefährliche Herzrhythmusstörungen resultieren.

 

                                                     

 

       https://www.aerzteblatt.de/archiv/196135/Polyneuropathien                                                                                                                                 


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Klinisches Bild und diagnostisches Vorgehen
Polyneuropathien (PNP) sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Mit einer Prävalenz von circa 5–8 % sind sie hier die größte Erkrankungsgruppe (1). Aufgrund der zahlreichen Ursachen und Begleiterkrankungen kommen fast alle medizinischen Fachrichtungen mit Polyneuropathiepatienten in Kontakt
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Polyneuroradikulitis Typ Guillain-Barré

Dieser akut auftretenden Form der Polyneuropathie liegt wahrscheinlich eine Überreaktion des Immunsystemszugrunde, das sich gegen körpereigenes Nervengewebe richtet. Die Erkrankung tritt in ungefähr 1,7 Fällen auf 100.000 Einwohner pro Jahr auf. Fast auschließlich werden motorische Nervenfasern betroffen, sodass vom Beschwerdebild her plötzlich auftretende Muskellähmungen im Vordergrund stehen.

 

Polyneuroradikulitis: Verlust der Muskelreflexe

Die Lähmungen konzentrieren sich primär auf den Beckengürtel- und Schulterbereich und sind an Hand- und Fußmuskeln geringer ausgeprägt. In schwereren Einzelfällen können auch Gesichts-, Augen, Schlund- und Rumpfmuskulatur betroffen sein. Typischerweise zeigt sich ein völliger Verlust der Muskelreflexe. Gefühlsstörungen treten im Vergleich zu den Erscheinungen von Seiten des Muskelsystem deutlich in den Hintergrund.

 

Verlauf der Polyneuritis Guillain-Barré

Die Polyneuritis Guillain-Barré gehört zur Kategorie der Polyneuropathien, die mit einer Schädigung der Nervenisolationsschicht einhergehen. Dementsprechend kann sie auch aufgrund der deutlich verminderten Leitungsgeschwindigkeiten der peripheren Nerven von anderen Formen der Polyneuropathie abgegrenzt werden.

Vom Verlauf der Erkrankung her wird eine akute Form meist mit günstiger Heilungstendenz von einer chronischen Form mit schlechterer Prognose unterschieden. Aber auch bei der akuten Form besteht die Möglichkeit tödlicher Komplikationen durch Atemlähmung oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen. Insgesamt reicht das Spektrum möglicher Erscheinungsformen von nur geringen Beschwerden mit leichter Ermüdbarkeit und uncharakteristischen Missempfindungen über eine scheinbar isolierte Lähmung eines Muskels zum Beispiel am Bein bis zu plötzlich von den Beinen "aufsteigenden" Lähmungen des ganzen Körpers.

 

 

Blei-Polyneuropathie

Eine besondere Form der Polyneuropathie tritt bei chronischer Bleivergiftung auf. Besonders bei Arbeitern in Akkumulatorenfabriken oder Personen, die beruflich oder privat mit Mennige oder bleihaltigen Farben in Kontakt kommen, besteht das Risiko, durch Einatmen oder über den Magen-Darm-Kanal giftige Mengen an Blei aufzunehmen. Bei chronischer Vergiftung klagen die Patienten über:

Kopfschmerzen

Appetitlosigkeit

Müdigkeit

Darmverstopfung

Darmkoliken

Ihre Haut ist blass bis graugelblich.

Die Polyneuropathie äußert sich charakteristischerweise durch eine Lähmung der Streckermuskulatur an den Händen, seltener auch an den Beinen. Unter Umständen kann es aber auch zu Lähmungen und Muskelschwund im Bereich des Daumens und Kleinfingerballens oder Funktionsstörungen im Bereich derjenigen Muskeln kommen, die für die Spreizung der Finger und Zehen zuständig sind. Die Sensibilität ist meist weniger gestört als die Motorik, Schmerzen treten nicht auf. Hörverlust und Sehstörungen können ebenfalls Symptome einer Bleipolyneuropathie darstellen.

Die Nervenschädigungen sind nach Ausscheidung der Überkonzentrationen an Blei reversibel und hinterlassen nur geringe Funktionseinschränkungen an der Muskulatur.

 

Thallium-Polyneuropathie

Thalliumvergiftungen kommen vor allem nach oraler Aufnahme bestimmter Ratten- oder Mäusegiftmittel vor. Allgemeine Symptome der Vergiftung sind Schlaflosigkeit, vermehrter Speichelfluss, Herzrasen und Haarausfall. Die resultierende Polyneuropathie geht mit Missempfindungen und zum Teil starken Schmerzen in Füßen und Händen einher.

Sehr charakteristisch ist eine Überempfindlichkeit der Fußsohlen, wobei schon geringste Berührungen unerträgliche Schmerzen auslösen. Zusätzlich können vom Beckengürtelbereich absteigende Lähmungen sowie Muskelschwäche und Gefühlsstörungen im Gesichtsbereich auftreten. Auch nach Ausscheidung des Thalliums aus dem Körper können die neurologischen Ausfälle der Thalliumpolyneuropathie teilweise bestehen bleiben.

 



Mehr zum Thema: https://www.gesundheit.de/krankheiten/diabetes/gefahr-bei-diabetes/polyneuropathie-formen-und-symptome

Arsen-Polyneuropathie

Auch die seltene Arsenvergiftung kann das periphere Nervensystem im Sinne einer Polyneuropathie schädigen. Analog der Thalliumvergiftung bestehen unangenehme Missempfindungen und Schmerzen in den Händen und Füßen. Die Lähmungserscheinungen konzentrieren sich aber im Gegensatz zur Thalliumpolyneuropathie eher auf die Hand- und Fußregion als auf Becken- und Schultergürtel. Ein vollständige Rückbildung der neurologischen Ausfälle erfolgt meistens nicht.

 

 

Polyneuropathie bei Immunerkrankungen des Gefäßsystems

Besonders eine spezielle Form der immunbedingten Gefäßerkrankungen, die Panarteriitis nodosa, tritt häufig in Kombination mit Polyneuropathie auf. Wie alle anderen Organsymptome der Erkrankung erklärt sich dabei die Polyneuropathie als Ausdruck von Durchblutungsstörungen im Bereich des peripheren Nervensystems. Erstsymptom sind oftmals sensible Reizerscheinungen wie heftige Muskel- und Nervenschmerzen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Muskellähmungen und Muskelschwund.

 

 

Polyneuropathie bei rheumatischer Arthritis

Im Verlauf einer rheumatoiden Arthritis können sich auch Symptome einstellen, die in erster Linie auf Störungen der Durchblutung des peripheren Nervensystems zurückzuführen sind. Die Beschwerdebilder reichen von sensiblen oder motorischen Ausfällen im Versorgungsgebiet einzelner Nerven (zum Beispiel an den Händen) über isolierte Gefühlsstörungen der Finger ohne Beteiligung des Daumens bis zu akut auftretenden Schmerzen und Missempfindungen an den Beinen mit nachfolgenden Lähmungserscheinungen.

Die Prognose dieser Polyneuropathie ist bei kombiniertem Befall des sensiblen und motorischen Nervensystems ungünstiger als bei reinen Gefühlsstörungen.

Aktualisiert: 17.05.2017 – Autor: Udo Schmidt

Mehr zum Thema: https://www.gesundheit.de/krankheiten/diabetes/gefahr-bei-diabetes/polyneuropathie-formen-und-symptome



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