Gabapentin

 

 


 

 

Gabapentin gehört zu den Arzneistoffen, die bei Krampfleiden (Epilepsie) und Nervenschmerzen (Neuralgien) eingesetzt werden. Es wird seit 1995 als Antiepileptikum angewendet. Kurze Zeit später entdeckte man zusätzlich seine gute Wirksamkeit gegen Neuralgien. Auf diesem Gebiet wird Gabapentin mittlerweile hauptsächlich eingesetzt. Hier lesen Sie alles Wichtige über Gabapentin.

 

                                   So wirkt Gabapentin

Das menschliche Nervensystem wird durch bestimmte Botenstoffe aktiviert oder gehemmt. Normalerweise werden diese Botenstoffe entsprechend der äußeren Umstände ausgeschüttet und gewährleisten eine angemessene Reaktion des Körpers auf verschiedene Situationen wie Verletzungen, Stress oder Ruhe.

Bei Erkrankungen des Nervensystems ist dieses kontrollierte Gleichgewicht gestört. Durch eine genetische Vorbelastung oder auch durch Verletzungen des Gehirns kann die Erregung verstärkt oder die Hemmung vermindert sein. Das Nervensystem des Gehirns ist übererregbar und es kann zu epileptischen Krampfanfällen kommen.

Auch länger andauernde Reizungen der Nervenbahnen im Rücken und in den Gliedmaßen (periphere Neuropathie) durch schlimme Formen der Zuckerkrankheit (Diabetes) oder Viruserkrankungen des Nervensystems beispielsweise durch Herpes-Viren führen zu einer Übererregbarkeit der Nervenenden. Diese senden dadurch ständig Signale einer Reizung an das Gehirn, und der Patient empfindend andauernde Schmerzen.  Der sogenannte  Nervenschmerz (Neuralgie) lässt sich mit normalen Schmerzmitteln nicht behandeln. Um die Symptome der Epilepsie und der peripheren Neuropathie zu lindern, bedarf es deshalb Medikamente, welche die Erregung des Nervensystems normalisieren.

Die Gabapentin-Wirkung beruht darauf, dass die Reizweiterleitung an den Nervenbahnen verringert wird. Einerseits verhindert das Medikament die Ausschüttung aktivierender Botenstoffe. Andererseits fördert es indirekt den Abbau von aktivierenden Botenstoffen und senkt somit zusätzlich deren Konzentration im Nervensystem. Es binden dann weniger Botenstoffe an ihre Andockstellen (Rezeptoren) -  Spannungs- und Schmerzzustand wird gelöst.

Die vollständige Wirkung des Arzneimittels entfaltet sich erst nach einer gewissen Einnahmedauer (ungefähr ein bis zwei Wochen).

Der Wirkstoff Gabapentin wird unverändert über die Niere ausgeschieden. Bei Menschen mit einer Nierenschwäche muss deshalb die Dosis reduziert werden.

 

                                        So wird Gabapentin angewendet

Gabapentin wird meist in Form von Tabletten oder Kapseln angewendet. Der Arzneistoff kann mit oder ohne Nahrung aufgenommen werden, allerdings immer mit ausreichend Flüssigkeit (am besten mit einem großen Glas Wasser).

Die Gabapentin-Dosierung beträgt für Erwachsene 1800 bis 3600 Milligramm pro Tag. Der Wirkstoff wird über einen speziellen Transporter (Aminosäuretransporter) im Darm aufgenommen, der bei hohen Wirkstoffmengen abgesättigt werden kann. Die Tagesdosis sollte deshalb auf drei Einzeldosen aufgeteilt werden, damit eine vollständige Aufnahme gewährleistet ist.

Um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen, sollten die Einzeldosen immer im gleichen zeitlichen Abstand zueinander eingenommen werden. Für Kinder wird eine niedrigere Dosis gewählt.

Zu Beginn der Therapie wird Gabapentin einschleichend dosiert. Das bedeutet, dass man die Dosierung schrittweise erhöht, bis die angestrebte Tagesdosis erreicht ist. Diese sogenannte „Titration“ kann je nach individueller Verträglichkeit mehrere Wochen dauern, insbesondere, weil der Arzt eine eigens auf den Patienten abgestimmte Dosis finden muss, die eine ausreichende Wirksamkeit und möglichst geringe Nebenwirkungen mit sich bringt.

Die Epilepsie erfordert in der Regel eine Langzeittherapie, da sie nur in seltenen Fällen heilbar ist.

Bei neuropathischen Schmerzen kann Gabapentin nach einer gewissen Behandlungsdauer abgesetzt werden, allerdings nicht abrupt, sondern durch schrittweise Verringerung der Dosis über mindestens eine Woche.

 

                                     Welche Nebenwirkungen hat Gabapentin?

Sehr häufig (das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten) kommt es zu Virusinfektionen, Schläfrigkeit (Somnolenz), Müdigkeit und Schwindel. Bei ein bis zehn Prozent der Patienten ruft Gabapentin Nebenwirkungen wie verändertes Essverhalten, Veränderungen im Blutbild, Verhaltensauffälligkeiten (vor allem bei Kindern), Krämpfe, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck (Hypertonie), Erkrankungen der Atemwege, Übelkeit und Erbrechen, Muskelschmerzen, Impotenz und/oder Hautausschläge hervor. Noch seltener (bei weniger als einem Prozent der Behandelten) kommt es zu Wasseransammlungen im Körpergewebe (Ödemen).

Was ist bei der Einnahme von Gabapentin zu beachten?

 

                                    Wechselwirkungen

Die Menge an aufgenommenem Wirkstoff wird durch Aluminium- und Magnesium-haltige Medikamente zur Neutralisierung der Magensäure (Antazida) reduziert. Gabapentin sollte deshalb im Abstand von mindestens zwei Stunden nach der Einnahme eines solchen Antazidums eingenommen werden, damit es wirken kann.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Morphin (starkes Schmerzmittel) muss die Dosis von Gabapentin reduziert werden.

 

                                    Gegenanzeigen

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) darf Gabapentin nicht eingenommen werden.

Was Sie noch über Gabapentin wissen sollten

Aufgrund fehlender Effektivität ist Gabapentin kein Antiepileptikum der ersten Wahl, sondern gilt als sogenanntes Reservemittel.

Es kann aber durchaus sinnvoll sein, andere Antiepileptika mit Gabapentin zu kombinieren.

 

https://www.netdoktor.de/medikamente/gabapentin/

Von Lisa Hein

23. Januar 2017



 

Nebenwirkungen von GABAPENTIN AL 300 mg Hartkapseln

Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Arzneimittels auftreten können. Wie immer ein kann, nicht ein muß, auch eine Frage der Medikamentenverträglichkeit jedes einzelnen sowie der Dosierung !

 

Überdosierung?

Es kann zu einer Vielzahl von Überdosierungserscheinungen kommen, unter anderem zu Schwindel, Sprachstörungen, Doppeltsehen und Benommenheit. Viele dieser gen. unerwünschten Wirkungen können zu Beginn der Behandlung auftreten, sollten aber nach 2 - 4 Wochen überstanden sein, dann hat der Körper ein gewisses Depot aufgebaut. Anderenfalls- setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung oder Unverträglichkeit umgehend mit einem Arzt in Verbindung !!

 

wichtig zu wissen !!!

wenn längere Zeit eine höhere Dosis eingenommen wird, kann es sein das die Symptome der PNP sich plötzlich wieder verstärken.

Dies kann ein Anzeichen sein, daß eine Überdosierung vorliegt - Gewöhnungseffekt - dann nicht weiterhin erhöhen, sondern im Gegenteil die Dosis drosseln.  Sprechen Sie mit ihrem Arzt. 

 

Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

- Magen-Darm-Beschwerden, wie:

  - Übelkeit

  - Erbrechen

  - Durchfälle

  - Verstopfung

  - Blähungen

  - Bauchschmerzen

- Zahnfleischentzündung

- Mundtrockenheit

- Trockene Rachenschleimhaut

- Appetitsteigerung

- Appetitlosigkeit

- Gewichtszunahme

- Kopfschmerzen

- Schwindel

- Gangunsicherheit

- Benommenheit

- Müdigkeit

- Schlafstörungen, wie:

  - Schlaflosigkeit

- Koordinationsstörung

- Delirium (Verwirrtheit)

- Nervosität

- Angstzustände

- Übermäßige Bewegungsaktivität

- Aggressives Verhalten

- Zittern

- Depressionen

- Stimmungsschwankungen

- Gedächtnisstörungen

- Sprachstörungen

- Missempfindungen

- Verminderte Berührungsempfindlichkeit

- Selbstmordgedanken

- Sonderbare (paradoxe) Reaktionen, wie:

  - Krampfanfälle

- Sehstörungen, wie:

  - Augenzittern

  - Doppeltsehen

  - Verschwommenes Sehen

- Infektionen

- Infektionen der Atemwege, wie:

  - Rachenentzündung

  - Schnupfen

  - Bronchitis

  - Lungenentzündung

  - Mittelohrentzündung

- Hustenreiz

- Anfälle von Atemnot

- Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, wie:

  - Hautausschlag

  - Juckreiz

- Akne

- Hautblutungen aufgrund gestörter Blutgerinnung

- Blutergüsse

- Bluthochdruck

- Gefäßerweiterung

- Harnwegsinfektionen

- Blasenschwäche

- Veränderung des Blutbildes, wie:

  - Leukopenie (Verminderung der Anzahl der weißen Blutkörperchen)

- Wassereinlagerungen (Ödeme)

- Rückenschmerzen

- Muskelschmerzen

- Muskelzuckungen

- Gelenkschmerzen

- Allgemeine Schwäche

- Unwohlsein

- Fieber

- Grippeähnliche Symptome

- Störungen der Sexualfunktion, wie:

  - Potenzschwäche

 

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Für die Information an dieser Stelle werden vor allem Nebenwirkungen berücksichtigt, die bei mindestens einem von 1.000 behandelten Patienten auftreten. 

 



Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Gabapentin.

 

https://www.praxisvita.de/gabapentin-die-10-haeufigsten-fragen-12949.html?fbclid=IwAR32SVnDRz4enRoUc2Z2_bkKkgM_n_4ccCk23mWcp49S_0jQ20HOWUB_3Sk