Vitamin B 12

und

 Folsäure


Vitamin B12 (Cobalamin) und Gesundheit.

 

Wie erkennt man einen Mangel? Mangel-Ursachen und Symptome.

Als Hauptursachen eines Vitamin B12-Mangels sind folgende Faktoren zu nennen: 1. Störung, Reizung, Entzündungen oder Erkrankungen der Magenschleimhaut (Mangel an Intrinsic Factor) und/oder Dünndarmschleimhaut (Resorption), wie z.B. Gastritis, Morbus Crohn, chronische Enteritis, chronische Durchfälle, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Ist die Magenschleimhaut gestört und wird zu wenig des Transportproteins Intrinsic Factor oder zu wenig Magensäure gebildet, ist die Verwertbarkeit des Vitamin B12 eingeschränkt oder teilweise sogar kaum mehr möglich. Ähnliches gilt für eine Störung oder Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Diese kann die Resorptionsfähigkeit (Aufnahme) des Cobalamins signifikant reduzieren. Menschen mit gestörter bzw. entzündeter Magen- und/oder Dünndarmschleimhaut können entsprechend einen gravierenden Vitamin B12Mangel erleiden, obwohl sie es ausreichend über die Nahrung aufnehmen. 2. Alkoholkonsum und Drogen: Der Abbau von Alkohol/Drogen benötigt viel Vitamin B12 und belastet zudem die Magenschleimhaut und die Leber, was zu einer schlechteren Bildung des Intrinsic Factor und zu einer schlechteren Resorption im Darm führen kann. 3. Ernährung mit Lebensmitteln, mit zu geringem Vitamin B12-Gehalt (besonders zutreffend für Vegetarier und Veganer) – Mangelernährung, 4. Erhöhter Vitamin B12-Bedarf durch spezielle Situationen, der nicht ausreichend gedeckt wird. Dazu zählt insbesondere chronischer und nitrosativer Stress, verursacht durch Überlastung, Schwermetalle, Toxine, Medikamente, Traumate (z.B. HWS). Daneben sind auch folgende Ursachen zu nennen: • Wurmbefall / Parasiten. Insbesondere Bandwürmer rauben sehr hohe Vitamin-B12Mengen. Solange die Würmer nicht beseitigt werden, ist eine ausreichende Versorgung kaum zu gewährleisten. • (Teil-)Entfernung des Magens durch eine Operation. • Alter: Häufig entwickeln Menschen im Alter eine schwächere Magenwand. Vitamin B12Mangel ist häufiger Grund für die Müdigkeit, Gedächtnisstörungen und depressive Verstimmungen älterer Menschen. • Medikamente: z.B. Östrogenhaltige Verhütungsmittel und Hormonpräparate (Protonenpumpenhemmer), Diabetes Medikamente (Metformin), Blutdrucksenker (ACE), Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Betablocker, Nitratsprays, Nitroglycerin), cholesterinsenkende Medikamente (Statine), Potenzmittel. • Erkrankungen: Leberkrankheiten (Speicher- und Transportprobleme). • Ein weiterer Aspekt ist, dass erste Anzeichen eines Vitamin B-Mangels auch den Symptomen von starken Blutzuckerschwankungen ähneln können (Nervosität, Heisshungerattacken, Konzentrationsstörungen, Aggressivität, Gereiztheit, plötzliche Stimmungsschankungen). Man sollte hier also auch an andere Ursachen denken. Interessanterweise wird für die Verstoffwechselung von viel Zucker (isolierte Kohlenhydrate jeder Art) auch viel Vitamin B benötigt. Auch die Spurenelemente Mangan, Chrom und Zink sowie der wichtige Mineralstoff Magnesium werden dadurch verbraucht. Dies wirkt sich indirekt wiederum negativ auf die B-Vitamine aus, da z.B. Mangan die Verwertung von Vitamin B1 verbessert.

 

Vitamin B12 und Folsäure

Zur Umwandlung des wichtigen Vitamins Folsäure (Vitamin B9) in seine aktive vom Körper verwertbare Form, wird eine ausreichende Menge Vitamin B12 benötigt. Fehlt Letzteres entsteht ein Mangel an aktiver Folsäure. Diese wird aber nur in kleinen Mengen im Körper gespeichert, stellt sowieso ein recht häufiger Mangel dar und ernsthafte Mangelsymptome können relativ schnell entstehen: • Blutanämie, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, gestörte Bildung weißer Blutkörperchen, Schwächung des Immunsystems. • Störung und Entzündung von Magen- und Darmschleimhäuten sowie des Mundes, verminderte Nährstoffaufnahme, Durchfall, Appetitlosigkeit, Folgeerkrankungen. • Kann verhindern, schwanger zu werden. • Gestörte Entwicklung von Föten, Babys und Jugendlichen; Geburtsfehler. • Reizung des Zentralnervensystems, Reizbarkeit, Gedächtnisschwäche, Ängste, Depressionen. Folsäuremangel kann durch Magen-/Darmerkrankungen, Schwangerschaft, Mangelernährung, Medikamente und chronischen Alkoholismus entstehen. Vitamin B12 Mangel-Symptome und –Folgen Ein Mangel an Vitamin B12 kann sehr ernsthafte und auch teilweise schmerzhafte gesundheitliche Folgen besitzen. Es wird für alle Transfers der für den Stoffwechsel so wichtigen Methylgruppen benötigt. Dies trifft z.B. auf die Bildung von Nerven-Substanzen, zur Methylierung von Histamin oder zur Rezyklierung von Homocystein zu (Risikofaktor für Arteriosklerose!), aber B12 ist auch wichtig für den Stoffwechsel der Mitochondrien („Kraftwerke der Zellen“). Darüber hinaus ist B12 zusammen mit Folsäure für die Bildung von genetischem Material (DNS) wichtig. Die wesentlichen Vitamin-B12-Mangel-

 

Symptome können sich wie folgt äußern.

Nervenstörungen Vitamin B12 ist äußerst wichtig für den Schutz der Nervenzellen. Ein Vitamin B12-Mangel äußert sich entsprechend besonders häufig in Störungen der Nerven bzw. einer Entmarkung der Nervenfasen im Rückenmark. Die Symptome sind typischerweise: • Nervosität, • Gereiztheit, • taubes Gefühl oder Kribbeln in Körperteilen, meist der Peripherie, bis hin zu starken Schmerzen in Gliedmaßen (z.B. in den Beinen oder Armen / Händen), • Schmerzhafte Missempfindungen in den Extremitäten (Hände / Arme, Füße / Beine), • Müdigkeit, • Neurologische Probleme, wie z.B. „brennende“ glatt-rote Zunge, • Depressionen. Es kann vorkommen, dass solche Symptome nicht sofort mit einem Vitamin B12-Mangel in Verbindung gebracht werden. So ist ein Fall bekannt, bei dem der Betroffene unter starken Schmerzen im unteren Rücken bis hinunter in die Beine leidete und bei ersten Diagnosen der Verdacht fälschlicherweise auf einen Bandscheibenvorfall oder –vorwölbung gelegt wurde. Erst nach mehreren Arztbesuchen wurde über das Blutbild ein deutlich zu geringer Vitamin B12-Wert gefunden. Der Arzt war hellhörig geworden, als der Patient die Geschichte eines langjährigen Magenleidens erzählt hatte.

Blutarmut / Leistungsschwäche Vitamin B12 spielt auch eine wichtige Rolle für die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark, die den Atemsauerstoff und die Nährstoffe im Blut zu den Zellen transportieren. Zudem ist es am Einbau von Eisen in die roten Blutkörperchen beteiligt. Eine eingeschränkte Sauerstoff- und Nährstoffaufnahme führt entsprechend zu einer allgemeinen Mangelsituation im Körper mit entsprechender Leistungs- und Immunschwäche, Müdigkeit und Erschöpfung. Dies kann sich zu einer speziellen Form der Blutarmut, der sog. Perniziösen Anämie bzw. megaloblastären Anämie entwickeln (gefährliche Blutarmut).

Verdauungsstörungen Ein drittes Hauptaugenmerk liegt in der Funktion des Vitamin B12 für die gute Verdauung und Aufnahmefähigkeit von Nährstoffen. Dies kann sich auch äußern in: • Verstopfung, • Durchfall, • Appetitlosigkeit, • Entzündung von Mund, Magen und Darm, • Gewichtsverlust. • strohgelbe Hautfarbe. • Verminderte Sehkraft Vitamin B12-Mangel kann zu verminderter Sehkraft und blinden Flecken führen. Symptome eines leichten Vitamin-B12-Mangels Geistig-psychische Symptome Körperliche Symptome

• Lustlosigkeit • Konzentrationsschwäche • Reizbarkeit • Stimmungsschwankungen • Nervosität

• Immunschwäche, Infektanfälligkeit • Ständige Erschöpfung und Müdigkeit • Schwäche • Entzündungen von Mund (Aphten), Magen und Darm • Eingerissene Mundwinkel • Appetitlosigkeit • Blässe

Leider werden besonders die leichten, aber auch die schweren Symptome eines Vitamin-B12Mangels oft nicht als solche erkannt und darum falsch behandelt. Das Bewusstsein über die Bedeutung und Verbreitung des Vitamin-B12-Mangels ist noch relativ jung. Vitamin-B12-Tests waren darum lange Zeit relativ unüblich und erst in den letzten rund 15 Jahren findet der VitaminB12-Mangel aufgrund zahlreicher Studien immer mehr medizinische Beachtung und wird darum auch häufiger korrekt festgestellt. 

 

Symptome eines schweren Vitamin-B12-Mangels Geistig-psychische Symptome Körperliche Symptome

• Depressionen • Angstzustände • Apathie • Gedächtnisstörungen • Verwirrtheit • Demenz • Psychosen • Halluzinationen • Schlafstörungen • Persönlichkeitsstörungen

• Blutarmut (Anämie) • Darmschäden • Nervenschmerzen • Muskelzittern • Koordinationsstörungen, Gangunsicherheit, Gestörte Feinmotorik • Schwindel, Ohnmacht • Kälte, Kribbeln und Taubheit in Gliedmaßen • Lähmungen • Arteriosklerose • Herzinfarkt • Hirninfarkt • Sehstörungen, Netzhautschäden • spastische Störungen • Inkontinenz • Unfruchtbarkeit

Der Grund warum selbst die schweren Symptome eines Vitamin-B12-Mangels oftmals nicht mit dem Vitamin in Verbindung gebracht werden, ist die Tatsache, dass Vitamin-B12 im Körper so grundlegende Funktionen erfüllt, dass die entstehenden Symptome eine enorme Bandbreite haben. Vitamin-B12 arbeitet sozusagen auf einer sehr tiefen Ebene, die Symptome hingegen treten an der Oberfläche auf. Auf dem Weg dazwischen sind oft viele andere Faktoren als Ursache der gleichen Symptome denkbar, so dass teilweise fälschlicherweise zunächst ganz andere Ursachen vermutet werden. 

Zusammenfassung • Vitamin-B12-Mangel führt zu einer Vielzahl sehr verschiedener Symptome • Zu den Symptomen gehören sowohl geistig-psychische als auch körperliche Erkrankungen • Die Vitamin-B12-Mangel-Symptome sind nicht eindeutig, entwickeln sich zeitversetzt und werden deshalb oft nicht erkannt • Die Symptome verschlimmern sich mit der Länge des Mangels • Schwere Symptome treten oft erst nach vielen Jahren auf.

 

Anmerkung Folsäure:

Die Symptome eines Folsäure-Mangels sind denen des Vitamin-B12-Mangels sehr ähnlich, da die beiden Vitamine in vielen Fällen ähnliche oder gemeinsame Funktionen erfüllen. Eine Supplementierung von Folsäure, kann einen Vitamin-B12-Mangel deshalb zum Teil verdecken: Folsäure kann zwar die Symptome der Anämie zum Teil beheben, nicht aber die oft irreversiblen neurologischen Symptome, die bei Vitamin-B12-Mangel auftreten. 

Gestörte Aufnahme von Vitamin B12 Bei einer Aufnahmestörung kann der Körper das Vitamin nicht aufnehmen, obwohl es in ausreichender Menge zugeführt wird. Gründe hierfür können zum Beispiel Infektionen und Entzündungen in Magen und Darm oder Belastungen durch Schwermetalle und Wechselwirkungen mit Medikamenten sein. Vitamin B12 kann nur über die Mundschleimhaut und den unteren Abschnitt des Dünndarms, dem sogenannten Ileum aufgenommen werden. Dafür wird jedoch ein spezielles Glykoprotein, der sogenannte Intrinsic Factor gebraucht, der von den Belegzellen des Magens gebildet wird. Ohne diesen Intrinsic Factor werden nur sehr geringe Mengen Vitamin B12 über passive Diffusion aufgenommen, weshalb in diesen Fällen extrem hohe Dosen Vitamin B12 notwendig sind, um eine Versorgung sicherzustellen. Die Gesundheit von Magen und Darm ist daher von besonderer Bedeutung für die Aufnahme von Vitamin B12 und diverse Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können die Aufnahme von Vitamin B12 stark behindern. Da solche Erkrankungen in den Industrieländern besonders aufgrund schlechter Ernährungsgewohnheiten sehr verbreitet sind, sind auch Vitamin-B12Aufnahmestörungen entsprechend häufig. Bemerkenswert ist dabei, dass bereits leichte Störungen der Schleimhäute die Aufnahmefähigkeit an Vitamin B12 offenbar deutlich reduzieren, was in der Folge leicht zu einer schleichenden Unterversorgung führt. Nach aktuellen Erkenntnissen handelt es sich beim Großteil der Vitamin-B12-Mangelerkrankungen um eine gestörte Aufnahme – etwa aufgrund einer Gastritis und gestörten Magen- und Darmschleimhäuten. Wie genau das Verhältnis von Ernährungs- und Aufnahmeursachen ist, kann derzeit nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, da die Daten stark auseinandergehen.

 

Mögliche Ursachen für eine Aufnahmestörung: Wechselwirkungen Störungen / Krankheiten

• Alkoholkonsum und Drogen

• Einnahme von Säureblockern oder Medikamenten gegen Geschwüre

• Einnahme von Diabetes-Mitteln

• div. andere Medikamente (Antibiotika, Psychopharmaka, Aspirin, Chemotherapie, Östrogenhaltige Verhütungsmittel und Hormonpräparate (Protonenpumpenhemmer), Diabetes Medikamente (Metformin), Blutdrucksenker (ACE), Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Betablocker, Nitratsprays, Nitroglycerin), cholesterinsenkende Medikamente (Statine), Potenzmittel

• Hohe Dosen Vitamin C

• Mehr als 4 Tassen Kaffe

• Starkes Rauchen

• Hoher Zuckerkonsum

• Gestörte und geschädigte Schleimhäute in Magen und Darm

• Entzündungen im Magen / Gastritis

• Schwächere Magenwand von älteren Menschen

• Teilweise Entfernung des Darms oder Magens

• Verminderte Bildung von Magensäure

• Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

• Zu scharfes Essen

• Große Mengen Pseudovitamin B12

• HIV-Infektion

• Leberkrankheiten

• Infektion mit Helicobacter pylori

• Bandwurm / Wurmbefall

• Nierenschäden

 

Vitamin-B12-Mangel: Test und Diagnose

Es gibt derzeit kein absolut verlässliches Verfahren zur Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels. Folgende Verfahren werden eingesetzt, um den Vitamin-B12-Status zu bestimmen: Serumtest Bis vor einigen Jahren wurde ein Vitamin-B12-Mangel über die Bestimmung des Vitamin-B12Spiegels im Blut festgestellt. Dies hat sich jedoch als wenig aussagekräftig herausgestellt, da der Serumtest auch auf Formen von Vitamin-B12 anschlägt, die für den Körper gar nicht zu verwerten sind (Vitamin-B12-Analoga). Interpretation der Testwerte in Deutschland: starker Mangel Wert < 150 pg/ml Mangel Wert < 200 pg/ml leichte Unterversorgung Wert 200-300 pg/ml normaler Status Wert 300-900 pg/ml Hypervitaminose Wert > 1000 pg/ml In jüngerer Zeit haben sich deshalb verschiedene andere Tests durchgesetzt: Holo-TC-Test Misst das tatsächlich biologisch verwertbare Vitamin-B12 im Blut, gibt aber keinen Aufschluss über den Vitamin-B12-Spiegel in Zellen und Körperspeichern. Mangel Wert < 35 pmol/l Mangel möglich Wert 35 – 50 pmol/l Mangel unwahrscheinlich Wert >50 pmol/l Homocystein-Test Misst den Homocystein-Spiegel im Blut, der sich bei einem Vitamin-B12-Mangel erhöht. Da jedoch auch andere Faktoren den Homocystein-Spiegel erhöhen können, wird er meist in Kombination mit einem Serumtest ausgewertet. Mangel wahrscheinlich Wert > 12 µmol/l Mangel unwahrscheinlich Werte 5 – 12 µmol/l MMA-Test Bei einem zellulären Mangel an Vitamin-B12 produziert der Körper vermehrt Methylmalonsäure (MMA). Diese kann in Blut und Urin gemessen werden und gibt verlässlich Auskunft über einen vorliegenden Vitamin-B12-Mangel.

Es ist der einfachste Test und wird heute von vielen Forschern als beste Methode empfohlen.

Mangel

Wert < 3,6 mmol MMA/mol Kreatinin            2 mg MMA/g Kreatinin kein Mangel Wert > 3,6 mmol MMA/mol Kreatinin            2 mg MMA/g Kreatinin

 

 

Quellen 1. V Herbert Staging vitamin B-12 (cobalamin) status in vegetarians. Am J Clin Nutr May 1994 59: 1213S-1222S 2. Mitsuyama Y, Kogoh H (1988). Serum and cerebrospinal fluid vitamin B12 levels in demented patients with CH3-B12 treatment–preliminary study. Jpn. J. Psychiatry Neurol. 42 (1): 65–71.