Richtige Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin

Bitte beachten: Das ist jetzt keine Empfehlung zur Umstellung des Medikamentes: nur eine Antwort auf die immer wiederkehrende  Frage- was wäre wenn, aus unserem Forum! Es soll keine Aussage getroffen werden welches das bessere Medikament ist. Zudem bitte keinen Schritt ohne ärztliche

Rücksprache-Anleitung!

 

  Es gibt verschiedene Argumente dafür, dass man bei der Therapie neuropathischer Schmerzen Patienten von Gabapentin auf Pregabalin umstellen sollte. In der klinischen Praxis gibt es Unsicherheiten, wie und wann diese Umstellung erfolgen soll, obwohl es – wenn auch wenige – klinische Studien zu diesem Thema gibt. Eine dieser Kohortenstudien hat den Nutzen einer Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen, verursacht durch periphere Neuropathien, eruiert. Die Studie untersuchte Patienten, die von Gabapentin auf Pregabalin umgestellt worden waren, und verglich sie mit den Patienten, die bei der Gabapentin-Therapie geblieben waren. In dieser Untersuchung wurde die Prega­balin-Gruppe zusätzlich unterteilt: in eine Subgruppe mit den Patienten, die auf Gabapentin gut, und eine mit denjenigen, die darauf schlecht angesprochen hatten. Die Gabapentin-Therapie wurde mit der Abendgabe gestoppt und Pregabalin am nächsten Morgen begonnen.

Die Dosierungen wurden nach dem folgenden Algorithmus umgestellt:

 

• Gabapentin ≤900mg/Tag → Pregabalin 150mg/Tag

• Gabapentin 901–1500mg/Tag → Pregabalin 225mg/Tag

• Gabapentin 1501–2100mg/Tag → Pregabalin 300mg/Tag

• Gabapentin 2101–2700mg/Tag → Pregabalin 450mg/Tag

• Gabapentin >2700mg/Tag → Pregabalin 600mg/Tag

(Gabapentin: 3 Gaben über den Tag verteilt; Pregabalin: 2 Gaben, eine morgens, die andere abends)

 

Die rasche Umstellung (innerhalb von zwei Tagen) wurde von den Patienten im Allgemeinen gut vertragen. Die Autoren fanden heraus, dass diejenigen, die unter Gabapentin gut eingestellt waren, keinen zusätzlichen Nutzen (bis auf die zweimalige Medikamenteneinnahme unter Prega­balin gegenüber einer dreimaligen unter Gabapentin) hatten, aber auch keine Verschlechterung erlitten, als sie auf Prega­balin umgestellt wurden. Patienten, die Pregabalin erhielten, hatten insgesamt eine verbesserte Schmerzkontrolle, verglichen mit den Patienten, die weiterhin unverändert Gabapentin erhielten. Die Umstellung auf Pregabalin führte zu einer verbesserten Schmerzlinderung ohne vermehrte Nebenwirkungen. Besonders signifikant war dies bei Patienten, bei denen zuvor unter Gabapentin signifikante Nebenwirkungen trotz guter Wirkung aufgetreten waren.

Bei Patienten, die unter Gabapentin an ausgeprägten Nebenwirkungen (Schwindel, Benommenheit) gelitten hatten, traten auch unter Pregabalin ähnliche Nebenwirkungen auf, jedoch zum größten Teil weniger stark ausgeprägt. Diese Patienten brachen auch unter Pregabalin die Therapie wegen Nebenwirkungen ab, obwohl sie sowohl unter Gabapentin als auch unter Pregabalin eine gute Schmerzlinderung erfahren hatten.

Eine weitere kleine Studie hat den Grad der Schmerzlinderung unter Gabapentin im Vergleich zu Pregabalin bei Patienten mit postherpetischer Neuralgie verglichen. Hier sollte die äquivalente Dosierung der beiden Medikamente näher bestimmt werden. Die Patienten wurden von Gabapentin mit einem Sechstel der Gabapentin-Dosis auf Pregabalin mit unveränderter Dosierungsfrequenz (dreimal täglich) umgestellt. Nach dem Umstellen der Medikamente berichteten die Patienten über ähnliche Schmerzlinderung und Nebenwirkungen, mit Ausnahme einer erhöhten Inzidenz von peripheren Ödemen in der Pregabalin-Gruppe. Die Autoren folgerten, dass die analgetische Wirkung von Pregabalin etwa das 6-Fache derjenigen von Gabapentin ist.

Andere Studien haben andere Schemata zur Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin untersucht. Eine der Studien verwendete populationsbasierte pharmakokinetische Modelle zur Untersuchung dieser Fragestellung mit zwei möglichen Szenarien, wobei ein Verhältnis von Gabapentin zu Pregabalin von 6:1 gewählt worden war. Das erste Szenario beinhaltete das sofortige Absetzen von Gabapentin und die unmittelbare Umstellung auf Pregabalin im Verhältnis 6:1 für die nächste Medikamentengabe. Das zweite Szenario beinhaltete einen allmählichen Übergang von Gabapentin zu Pregabalin. Unter diesen Bedingungen wurde die Gabapentin-Dosis um 50% verringert und 50% der gewünschten Pregabalin-Dosis gleichzeitig über 4 Tage gegeben. Nach dieser Zeit wurde Gabapentin völlig abgesetzt und Pregabalin auf die volle gewünschte Dosis erhöht. Die Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin erfolgte nach folgendem Schema:

 

• Gabapentin 900mg/Tag → Pregabalin 150mg/Tag

• Gabapentin 1800mg/Tag → Pregabalin 300mg/Tag

• Gabapentin 3600mg/Tag → Pregabalin 600mg/Tag

 

Beide Szenarien waren schnell und ermöglichten eine nahtlose Umstellung, sodass die Autoren zu dem Schluss gelangten, dass beide Schemata eine effektive Methode sein könnten, um Patienten von Gabapentin auf Pregabalin umzustellen.

Abschließende Anmerkungen und Tipps für die Praxis

Obwohl Pregabalin und Gabapentin ähnliche pharmakokinetische und pharmakodynamische Profile haben, gibt es doch auch deutliche bzw. signifikante Unterschiede.  Insgesamt hat Prega­balin eine besser vorhersagbare Pharmakokinetik und zeigt auch eine stärkere Bindungsaffinität zu seinem Zielrezeptor. Es hat eine erhöhte Potenz und eine steilere Dosis-Wirkungs-Kurve bei neuropathischen Schmerzen, die im Bereich bis zu 600mg kein Plateau und somit Sättigung erreicht.

Inzwischen gibt es mehr Studien und Erfahrungen mit Pregabalin als mit der älteren Substanz Gabapentin. Ein paar Studien haben festgestellt, dass Prega­balin insgesamt weniger Nebenwirkungen und bessere Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen als Gabapentin erbringt. Mehrere Studien zur Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin zeigen, dass ein grobes Verhältnis von etwa 6:1 für die Umstellung praxisrelevant ist.. Darüber hinaus scheint ein direkter Wechsel von Gabapentin zu Pregabalin gut verträglich zu sein, was die Umstellung einfach macht. 

Sowohl für Gabapentin als auch für Pregabalin ist eine langsame Einstellung erforderlich, damit die Patienten die Therapie nicht vorzeitig wegen Nebenwirkungen beenden. Eine Einstellungsphase von mindestens 14 Tagen mit Nebenwirkungen kann sowohl bei Gabapentin als auch bei Pregabalin als normal angesehen werden. Kliniker sollten beachten, dass Pregabalin gegenüber Gabapentin pharmakokinetische und pharmakodynamische Vorteile hat und eine Umstellung von dem einen auf das andere der beiden Medikamente komplikationslos und oft gut verträglich ist. Im Gegensatz zu Gabapentin, das dreimal täglich eingenommen werden muss, um einen Wirkspiegel zu erreichen, sollte Pregabalin nur zweimal täglich (morgens und abends) eingenommen werden.

 

Die gleichzeitige Einnahme von Gabapentin und Pregabalin als fixes therapeutisches Schema ist nicht zu empfehlen und hat gegenüber der Monotherapie keine Vorteile.

 

https://ch.universimed.com/fachthemen/8340



Absetzen von Pregabalin/Lyrika

In Übereinstimmung mit der gängigen klinischen Praxis wird empfohlen, beim Absetzen von Pregabalin unabhängig von der Indikation die Dosis ausschleichend über einen Zeitraum von mindestens 1 Woche zu verringern 

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