Die hilfreichsten Medikamente gegen Polyneuropathie

Ich bin kein Fan von Medikamenten, wenn es bessere Alternativen gibt.

Im Fall von Polyneuropathie machen Medikamente jedoch häufig Sinn.

Es braucht Zeit, das richtige Medikament für Polyneuropathie zu finden

Die Nerven jedes Menschen sind unterschiedlich gebaut. Unsere Neurochemie unterscheidet sich. Ein Medikament, das bei Person A perfekt und ohne Nebenwirkungen hilft, kann wiederum bei Person B nur Probleme verursachen.

Bei Neuropathie muss man meist mehrere Wirkstoffe ausprobieren, bis man den für sich richtigen findet.

Wie gut schlagen die Medikamente an?

In der Medizin gibt es den Begriff „numbers needed to treat“ (NNT). Auf Deutsch heißt das so viel wie „Anzahl notwendiger Behandlungen“.

Der Wert sagt aus, wie viele Menschen mit einem Präparat behandelt werden müssen, damit einer von ihnen mindestens eine 50%ige Verbesserung seiner Symptome bekommt.[1]

Ein simples Beispiel. Nehmen wir ein fiktives Medikament gegen Polyneuropathie. Nennen wir es Neuromax. Das Medikament hat einen NNT von 4. Das bedeutet, wenn vier Menschen mit Neuromax behandelt werden, so bekommt einer von ihnen eine Reduktion der Symptome von 50% oder mehr. In anderen Worten: hätte jedes Polyneuropathie Medikament einen NNT von 4, so müssten Patienten im Schnitt vier Medikamente testen, bis sie ein halbwegs wirksames finden.

Wirkstoffe gegen Polyneuropathie haben in der Regel einen NNT zwischen 2 und 5. Das bedeutet, man muss oft mehrere Medikamente testen, bis man das für sich richtige findet.

Kein Wunder, dass sich manche Patienten wie Versuchskaninchen fühlen.

Die Neurochemie unterscheidet sich

Unsere Nervensysteme unterscheiden sich sehr voneinander. Daher gibt es nicht das eine Medikament, das für alle gleichermaßen wirkt.

Leider gibt es keinen Labortest, der prüft, welches Medikament bei wem hilft. Das bedeutet, dass man hier einfach ausprobieren muss.

Normale Schmerzmittel wirken nicht

Es ist purer Zufall, dass es gut verträgliche und wirksame Substanzen gegen Alltagsschmerzen gibt, wie zum Beispiel Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol.

Leider wirken diese Medikamente nicht bei Polyneuropathie. Das liegt daran, dass der Nerv selbst beschädigt ist. Normale Schmerzmittel können diese Art von Schmerz nicht beseitigen.

 

Die 4 wichtigsten Medikamente gegen PNP

Die meisten Medikamente gegen Neuropathie wurden zufällig entwickeltMedikamente gegen Epilepsie sind ein gutes Beispiel. Bei Epilepsieanfällen reagieren Neuronen im Gehirn über und feuern unwillkürlich Signale ab. Also wurden Epilepsiemittel entwickelt, die die Nerven beruhigen.

Jedoch hat sich mit der Zeit herausgestellt, dass viele Epilepsiemittel auf die gleiche Weise Symptome von Neuropathie behandeln können. Sie beruhigen die beschädigten Nerven, wodurch sie keine, oder zumindest weniger, Schmerzsignale ans Gehirn schicken.

Nicht jedes Neuropathie-Medikament wirkt hingegen gleich gut. Die Mittel, die besonders gut und mit wenigen Nebenwirkungen funktionieren, werden als erstes verschrieben.[2]

Nachfolgend informiere ich dich über mögliche Medikamente und deren gängige Dosierung, wie sie in Leitfäden für Neuropathie empfohlen wird.

Jedoch gibt es nicht „die eine“ Dosierung. Oft wird die Dosis auf den Patienten angepasst. Halte dich an die Dosierung, in der dir der Arzt das Medikament am Ende verschreibt. Die untenstehenden Daten sind lediglich dazu gedacht, dir einen Eindruck zu verschaffen.

Gabapentin (Neurontin)

Ursprünglich wurde Gabapentin gegen Epilepsie entwickelt. In erster Linie wird es aber inzwischen gegen Neuropathie eingesetzt.

In der Regel startet man mit 3x 100mg am Tag, das heißt jeweils morgens, mittags und abends. Anschließend wird in regelmäßigen Abständen die Dosis erhöht. Manche Ärzte präferieren ein schnelles Hochdosieren im Tagestakt, andere langsam in Wochenintervallen. Je schneller man aufdosiert, desto eher bekommt man Nebenwirkungen zu spüren. Denn der Körper braucht Zeit, um sich an das Medikament zu gewöhnen. Da viele Menschen Dosen von 1200mg pro Tag und mehr zur Schmerzlinderung benötigen, dauert es recht lange, bis man weiß, ob das Medikament funktioniert. [3]

Neuropathie

Die meisten Medikamente gegen Neuropathie wurden zufällig entwickelt.

Medikamente gegen Epilepsie sind ein gutes Beispiel. Bei Epilepsieanfällen reagieren Neuronen im Gehirn über und feuern unwillkürlich Signale ab. Also

Die bekannteste Marke, unter der Gabapentin verkauft wird, ist Neurontin. Es gibt aber viele Generika mit dem gleichen Wirkstoff.

Pregabalin (Lyrica)

Pregabalin klingt nicht nur ähnlich wie Gabapentin. Beide Stoffe sind miteinander verwandt und wirken sehr ähnlich. Pregabalin wurde ebenfalls gegen Epilepsie entwickelt, wird aber primär gegen Neuropathie eingesetzt.

Der Vorteil von Pregabalin ist, dass man viel schneller eine wirksame Dosis erreicht als mit Gabapentin. Manche Menschen vertragen einen der beiden Wirkstoffe besser als den anderen. Es kann also hilfreich sein, beide Medikamente auszuprobieren.

Meist wird Pregabalin mit einer Anfangsdosis von zwei Mal 75mg verschrieben, das heißt jeweils morgens und abends. Nach 5 - 7 Tagen kann man auf zwei Mal 150mg erhöhen. Für viele Patienten ist das bereits die richtige Dosis. Manche müssen auf 300mg zwei Mal täglich erhöhen.

Die bekannteste Marke von Pregabalin ist Lyrica. Das Patent ist vor kurzem ausgelaufen, doch es gibt bereits Generika.

Amitriptylin

Amitriptylin ist ein Antidepressivum, wirkt jedoch ebenfalls gegen Neuropathie.

Es ist eines der am häufigsten eingesetzten Mittel bei neuropathischen Schmerzen.

In der Regel legt man mit 10 - 25mg am Tag los. Da Amitriptylin eine schläfrig machende Wirkung hat, nimmt man es abends ein. Die Dosis kann alle paar Tage erhöhen, oder jede Woche, bis ausreichend Schmerzreduktion erreicht ist.

Nortriptylin

Nortriptylin ist ebenfalls ein Antidepressivum. Wirkung, Nebenwirkung als auch Dosierung sind in etwa die gleichen wie bei Amitriptylin.

Meiner Erfahrung nach liegt es oft an der persönlichen Präferenz des Arztes, ob Amitriptylin oder Nortriptylin verschrieben wird.

Es gibt viele weitere Medikamente gegen Polyneuropathie

Bei Polyneuropathie-Medikamenten gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht:

Die schlechte Nachricht ist, dass jedes einzelne Medikament nur einem kleinen Teil der Betroffenen hilft.

Die gute Nachricht ist, dass es wesentlich mehr Präparate als nur die oben erwähnten gibt. Somit gibt es viele weitere Alternativen, die du ausprobieren kannst, um deine Schmerzen ausreichend zu lindern.

Zudem sind Medikamente nur eine Möglichkeit, um Polyneuropathie zu behandeln. Es gibt weitere Alternativen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Heinz Passerah (Donnerstag, 05 Juli 2018 13:10)

    Seit ca. 5 Jahren nehme ich täglich Pregabalin. Da ich besonders heftig auf die vielen Nebenwirkungen angesprochen werde , hat mir mein Artz freigestellt, wie hoch ich dosiere. Er steht auf dem Standpunk, dass ich selber den Grad der Schmerzen bestimmen kann, überlässt er mir die Dosierung. Ich habe von 'Beginn an versucht, das ganze in einem Verhältnis zum Schmerz der PNP zu bestimmen und nehme 125 mg am Abend.
    Jeder Tag beginnt mit einer unglaublichen Müdigkeit und Schlappheit. Dazu kommen die meisten der Nebenwirkungen entsprechen den einschlägligen Beschreigungen. Zusätzlich, weil ich e noch nicht oft gelesen habe, spüre ich seit mindestens einem Jahr sich steigernden Gedächtinisstörungen in Form von Vergesslichkeit. Ich habe vieles Ausprobiert, aber eine zufriedenstellende Lösung bisher nicht gefunden. Die Schmerzen setzen in ausgehend von Zehen., Füssen bis zum Oberschenkel kontinuierlich fort. Ich könnte noch Vieles schreiben, aber ich will nicht langweilen.
    Gleich habe ich wieder einen Termin bei meinem Neurologen und werde mitnehmen, dass es keine neuen Erkenntnisse in der Wissenschaft gibt und er mir immer weiter nur Pregabalin verschreiben kann.
    Erwähnen möchte ich noch, dass ich eine radikale Prostata - OP und 6 Mal Rezitive in der Blase hatte, die aber durch die reglemässige Kontrolle (Blasenspiegelung) rechtzeit, d.h. es wurde immer rechtzeitig aus dem Gewebe der Blase entfernt. Ich bin 81 und habe wirklich Angst vor einer weiteren Verschlechterung. Ich bin sehr lange viel mit dem Fahrrad gefahren (ca. 3-4 000 KM im Jahr), aber ich merke, wie meine Kraft nachlässt und ich erstmals über ein E-Bike nachdenke. Ich habe das Gefühl, dass ich besser Fahrradfahren kann, als normal Spazieren zu gehen.. Gruß Heinz

  • #2

    Heinz (Donnerstag, 05 Juli 2018 15:19)

    Zurück vom Arztbesuch, auf meine Frage, wie ich die Nebenwirkungen von Pregabalin reduzieren kann, schlägt er vor,
    Pregabalin auf Null zu setzen und Amitriptelin von 20 auf 40 mg zu erhöhen.
    Ein Versuch, mehr nicht und ob es hilft weiß man erst nach dem Versuch.
    Ich werde es versuchen Pregabalin erst zu reduzieren und nach vielleicht einer Woche abzusetzen und ähnlich in die andere Richtung versuche ich es umgekehrt. Ich habe so viele Versuche gemacht und nun noch Eines - D.h. abwarten.